Zweisprachiges Ortsschild in Hadersleben

Nachdem der haderslebener Bürgermeister, H.P. Geil, vor ungefähr einer Woche auf Eigeninitiative das erste deutsch-dänische Ortsschild nördlich der Grenze aufstellte, ist die Debatte um die zweisprachigen Ortsschilder wieder entfacht worden. Gegner des zweisprachigen Schilds, so wie der DF-Politiker Peter Kofod Poulsen, wettern gegen die Aufstellung des Schildes mit nationalistischen Parolen wie „In Dänemark sprechen wir Dänisch“.

Das traurige an dieser Debatte ist jedoch, dass viele nicht verstehen was die Grundlage für ein zweisprachiges Ortsschild ist. Wir, die jungen SPitzen, wünschen uns nicht zweisprachige Ortsschilder, damit die deutschen Touristen sich zurechtfinden – da haben wir kein Bedenken. Und mit einem Ortsschild, auf dem in großen Buchstaben der dänische Stadtnamen und in kleineren der deutsche steht, wollen wir auch nicht anzweifeln, dass in Dänemark Dänisch die Hauptsprache ist! Aber wir können wohl auch anerkennen, dass auch eine andere Sprache gesprochen wird?

Wir finden, ein zweisprachiges Ortsschild ist eine gute Initiative, die auf die geschichtliche und kulturelle Vielfalt Sønderjyllands aufmerksam macht. Die Region Sønderjylland-Schleswig ist in ihrer Umwandlung von Krieg und Konflikt zu friedlichen Co-Existenz zwischen zwei Nationalitäten und Kulturen historisch einmalig und dies hat zu einer Minderheitenkultur sondergleichen  geführt! Sowohl die dänische Minderheit südlich als auch die deutsche Minderheit nördlich der Grenze wird in Europa als Modell-Beispiel gesehen was Harmonie zwischen Minderheit- und Mehrheitsbevölkerung angeht, denn hier haben die Minderheiten hervorragende Rechte und Bedingungen – Gott sei Dank!

Diese ganze Region besitzt also ein großes Potenzial und eine kulturelle Vielfalt, die nur eine Ressource sein kann! Warum können wir in Sønderjylland nicht darauf Stolz sein? Ein zweisprachiges Ortsschild würde genau auf diese Ressource aufmerksam machen.

Desweiteren ist ein zweisprachiges Ortsschild eine symbolische Angelegenheit – es würde Toleranz und Offenheit einer Minderheit gegenüber ausweisen, die geschichtlich schon immer in dieser Region gewohnt hat und eine generelle Einstellung der Inklusion und dass ‚hier für Verschiedenheit Platz ist‘ ausdrücken.

Außerdem sollte erwähnt werden, dass unsere deutsche Nachbarn schon längst damit angefangen haben, zweisprachige Ortsschilder aufzustellen – nicht nur in den Städten mit dänischer Minderheitsbevölkerung sondern auch an der Westküste machen Ortsschilder auf Deutsch-Frisisch auf die friesische Minderheit aufmerksam.

Manche finden es unpassend genau in diesem Jahr, im Jahr des 70. Jahrestages der Befreiung von der deutschen Besetzungsmacht, ein deutschsprachiges Schild aufzustellen. Wir wissen nicht genau wie das Argument lauten soll, aber wir finden es überhaupt nicht unpassend – im Gegenteil. Durch das Aufstellen eines zweisprachigen Schildes genau in diesem Jahr, zeigen wir als Gesellschaft, dass wir auf gegenseitige Toleranz und Gemeinschaft Wert legen und signalisieren, dass weder die heutige deutsche Minderheit noch die heutige deutsche Bevölkerung an den Verbrechen zwischen 1940 und 1945 Schuld haben. In Wirklichkeit könnte es sogar als problematisch angesehen werden den 70. Jahrestag als Anlass dafür zu nehmen, keine deutschen Schilder aufstellen zu wollen. Diese Sichtweise zeugt auf jeden Fall von einer missverstandenen Grundlage für die Bedeutung der zweisprachigen Ortsschilder.

Wenn Peter Kofod Poulsen und co. wirklich daran interessiert wären gegen die zweisprachigen Schilder zu argumentieren, anstatt mit populistischen Tautologien wie „Dänisch ist Dänemarks Hauptsprache“ billig zu punkten, würden sie das einzig reelle Gegenargument anführen: das ökonomische. Ob dieses Anliegen wichtig genug ist, um Geld für die Auswechslung aller betroffenen Ortsschilder auszugeben – da scheiden sich die Geister. Manche werden es als wichtig genug für diese Ausgaben empfinden – Andere werden wiederrum prinzipiell mit den zweisprachigen Ortsschildern einverstanden sein, aber finden, dass es warten kann bis die Ortsschilder eh ausgetauscht werden müssen. Zum Glück musste das Ortsschild in Hadersleben sowieso ausgetauscht werden und daher hat die Initiative des Bürgermeisters den Haderslebenern kein extra Geld gekostet.

Was das reelle Haderslebener Ortsschild angeht gibt es noch eine Überlegung. Wie muss dieses Schild aussehen, damit es gesetzlich erlaubt ist? Auf diese Frage fehlt dem Haderslebener Bürgermeister auch eine Antwort, aber bis das Strassendirektorat eine solche geben kann, wollen wir dem Bürgermeister unseren Dank für diese mutige Initiative aussprechen: gut gemacht!